Wnet Impulstagung 2018 „Mann und Feminist – (k)ein Widerspruch?“ 8. Mai 2018

Das Frauennetzwerk Wnet – networking women hat am 8. Mai zur Impulstagung „Mann und Feminist – (k)ein Widerspruch?“ in der Conference Hall der Oberalp AG eingeladen. Nach den einleitenden Worten von Wnet-Präsidentin Marlene Rinner richtete Ruth Oberrauch Grußworte der Oberalp AG, an das Publikum. Rund 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem anregenden Vortrag der Politikwissenschaftlerin und Koordinatorin des Bereichs Gender Studies an der Universität Innsbruck Frau Dr. Alexandra Weiss „Männer zwischen Emanzipation, (Ent-) privilegierung und Gleichberechtigung“. Sie führte zunächst in den Begriff Feminismus ein, worunter sowohl eine politische Theorie der Macht, die gesellschaftliche Strukturen und die darin eingelassene soziale Ungleichheit analysiert, als auch eine soziale Bewegung für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern und die Befreiung von Geschlechterstereotypen verstanden werden kann. Die Bewegung betrifft gleichermaßen den privaten und öffentlichen Bereich. Geht das Wissen über gesellschaftliche Strukturen, Hierarchisierungen und Diskriminierungen verloren, dann werden die politischen Forderungen des Feminismus nicht mehr nachvollziehbar oder gar als „Ungerechtigkeit gegenüber Männern“ empfunden. Obwohl die ersten theoretischen Schriften zum Feminismus auf die Französische Revolution von 1789 zurückgehen, bezogen sich damals die Forderungen nach Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, die Menschenrechte und der Bürgerstatus nur auf den Mann. Erst mit den bürgerlichen Revolutionen gewann der Feminismus in ganz Europa an Bedeutung. Frau Weiss ging auf den Trend ein, wonach die feministische Bewegung heute wieder als unnötig erachtet wird, auch von Frauen, und zog Parallelen zur Vergangenheit was die Bagatellisierung feministischer Anliegen angeht. Die wiederkehrende Anfeindung von Feminismus und Frauenpolitik führt sie darauf zurück, dass Selbstverständlichkeiten, darüber was Weiblichkeit und Männlichkeit ist, in Frage gestellt und als etwas kulturell Geformtes durchleuchtet wurden. Die Geschlechterdifferenz wurde ihrer „Natürlichkeit“ beraubt, die Unterordnung von Frauen in der Familie, in der Arbeit, in der Politik als Zumutung und undemokratisch kritisiert.  Gesellschaftlich gefragt sind heute veränderte Lebensweisen mehr noch als rechtliche Grundlagen. Die Auseinandersetzung mit neuen Lebens- und Familienmodellen ist wichtig für die Entwicklung hin zu einer emanzipierten Gesellschaft, genauso wie ein Kulturwandel zur Bildung von männlichen Identitäten. Die Aufteilung von Erwerbs-, Erziehungs- und Pflegearbeit sollte gleichermaßen auf die Geschlechter erfolgen. Erziehungs- und Pflegearbeit sollten keine familieninternen Fragen sein und bleiben und den Frauen angelastet werden, sondern als gesellschaftspolitische Aufgaben gesehen werden, die zum Wohl aller gelöst werden müssen. Männer sind dabei wesentliche Akteure.

In der anschließenden Podiumsdiskussion waren Repräsentanten verschiedener gelebter Familienmodelle vertreten und gaben Einsicht in ihre Werte, Herausforderungen und Auslöser für gelebte Gleichberechtigung in der Familie und bei der Erwerbstätigkeit.

Matthias Mühlberger im Bereich Kommunikation der EURAC Research tätig hat bei jedem seiner zwei Kinder fünf Monate Elternzeit genommen. Nach dieser Erfahrung weiß er was es heißt, sich um ein Kleinkind zu kümmern und hat nun viel mehr Respekt vor diesem Job.  Für ihn ist Mann und Feminist kein Widerspruch, sondern ein sinnvoller Ansatz, das Abenteuer Familie heute zu meistern. Sei es beruflich als auch auf Beziehungsebene profitieren langfristig beide davon, wenn die Dinge partnerschaftlich gelöst werden und jeder gewisse Freiräume für seine persönliche und berufliche Entwicklung bekommt. Er wünscht sich in der Arbeitswelt ein offeneres und ermutigenderes Klima für Väter in Elternzeit und eine Aufwertung der sogenannten Care-Arbeit sei es vom Image her als auch in finanzieller Hinsicht.

Ursula Pichler, Head of Corporate Innovation Management bei Dr. Schär AG, hat die undifferenzierte Verantwortung in der Hausarbeit zwischen Mädchen und Buben in ihrer Ursprungsfamilie sehr geprägt. Ein offenes Welt- und ein positives Menschenbild waren die Grundpfeiler ihrer Erziehung. Respekt wurde bei ihr zu Hause geschlechtsneutral definiert. Ihr Mann unterstützt sie in ihrer Karriere und empfindet es als selbstverständlich Mittagstisch, Hausarbeiten und die Betreuung der beiden Kinder zu übernehmen. Wenn Mädchen aufgefordert sind, mutig zu sein, ist das nach wie vor wichtig. Sie ist überzeugt, dass Buben mindestens so stark unterstützt werden müssen, als Feminist zu agieren und sich als solcher auch zu bekennen.

Markus Frei, Erzieher im Sozialdienst der Bezirksgemeinschaft Eisacktal, ist ein bekennender Feminist, der, wenn er davon spricht, die Selbstverständlichkeit vermisst. Er hat Elternzeit und beruflich Teilzeit bei seinen drei Kindern genommen. Im Sozialdienst ist er für den Fachbereich „Männer und Buben“ zuständig und betreut die Plattform „Männer gegen Gewalt“. In diesem Zusammenhang beschäftigt er sich dem aufmerksamen Umgang zwischen Mädchen und Buben untereinander und mit Stereotypen, die ihr Verhalten im Erwachsenenalter und in einer Partnerbeziehung beeinflussen können.

Sergio Marchiori, Geschäftsführer der Alperia Fiber GmbH, organisiert das Familienleben gemeinsam mit seiner Frau, die in Teilzeit arbeitet. Für ihn ist es wichtig, dass Frauen, insbesondere im Hinblick auf seine zwei Töchter, sich nicht mehr mit Vorbehalten und Einschränkungen herumschlagen müssen in Bezug auf ihre Fähigkeiten und Eignungen für bestimmte Tätigkeiten und Berufe. Im Arbeitsleben gibt es für ihn nur Kompetenzen und Sexismus jeglicher Form werden von ihm in keinster Weise toleriert.

Umrahmt wurde der Abend durch die Einlagen und Moderation der Sprachkünstler und Poetry Slammer Lene Morgenstern und Manuel Lavoriero. Diese gaben spritzig sarkastische Genussproben ihres Könnens, wobei sowohl die Südtiroler Tageszeitungen mit (sparsamer) weiblicher Medienpräsenz aufs Korn genommen wurden, als auch das traditionelle Verständnis von Macht und Geld in Männerhand. Kernige Aussagen wie „…der Mann steht im Mittelpunkt und somit auch im Wege…“ hatten auf jeden Fall ein belustigtes Publikum zur Folge.

Wnet bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei:Beirat für Chancengleichheit-Frauenbüro / Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Abteilung19, Markas GmbH, Oberalp AG und Weingut CEOLAN.

Der Vortrag von Frau Weiss und die ausführlichen Stellungnahmen der Teilnehmer der Podiumsdiskussion zu „Mann und Feminist (k)ein Widerspruch?“ sind im Mitgliedsbereich abgelegt. Sie werden auf Anfrage auch zugeschickt.